Ausreichend Fakten und Beispiele solltest du für ein Gespräch jetzt schonmal haben. Kommen wir nun also zum zweiten Aspekt, der zu beachten ist, wenn du dein Gegenüber von deinem Standpunkt überzeugen möchtest: Wie führe ich so ein Gespräch überhaupt? Unser Leitfaden soll dir dabei helfen.
Vor dem Gespräch
1. Mache dir klar:
Aus welcher Position sprichst du? (welchen sozialen, kulturellen, Bildungshintergrund hast du?)
Aus welcher Position spricht dein Gegenüber? (welche Lebensumstände und Hintergründe könnte dein Gegenüber haben?)

Ängste sind unterschiedlich und müssen nicht rational sein: Was für Person A beängstigend ist, kann für Person B das Normalste der Welt sein.

Wissensstände können unterschiedlich sein.

Erfahrungen zu ein und demselben Thema können je nach Person unterschiedlich sein.
2. Bereite, wenn möglich, Fakten und konkrete Beispiele für deine Argumentation vor (unsere Argumentationskarten nehmen dir da die Arbeit ab)
Achtung!
Es geht nicht darum, deinem Gegenüber Angst vor der Zukunft zu machen – im Gegenteil: Durch eine positive Zukunftsvision und dem Gedanken: "Was wäre, wenn" oder "Wie toll wäre es, wenn” ist das Gespräch gleich viel optimistischer!
3. Häufig wird beim Thema Klima- bzw. Umweltschutz die eigene Selbstwirksamkeit infrage gestellt. Deswegen ist es wichtig, die Handlungsmacht des Individuums bei der Argumentation in den Fokus zu stellen.
4. Lass dich auf dein Gegenüber ein! Eine Diskussion zu starten, bei der beide Fronten schon im Vorhinein wissen, dass sie keinen Konsens oder kein Kompromiss finden wollen, ist wenig zielführend. Gehe also auf die Argumente deines Gegenübers ein und versuche sie nicht im Vorhinein schon für falsch abzutun (Voraussetzung ist natürlich, dass sich auch dein Gegenüber an den Fakten orientiert und nicht mit einer “die Welt ist eine Scheibe”-Theorie ankommt). Zum Beispiel:
“Klimaschutz schön und gut, aber die Politik der Grünen ist nicht sozial verträglich. Ich kann mir das einfach nicht leisten.”
Greife die verschiedenen Aspekte auf und kläre durch Rückfragen, ob ihr beide vom Gleichen redet und keine Missverständnisse entstehen.
Deine mögliche Antwort:
Ich sehe, dass du den Klimaschutz ernst nimmst und dort auch einen Handlungsbedarf siehst. Das ist sehr gut! Du meinst aber auch, dass die Politik der Grünen nicht sozial verträglich ist. Kannst du das etwas genauer erklären? / Wenn du sagst, dass du dir die Grünen-Politik nicht leisten kannst, meinst du dann die Maßnahmen der Grünen? Findest du Klimaschutz für dein persönliches Leben zu teuer?
So könntest du es formulieren:
Natürlich ist es utopisch, von allen Menschen, die bspw. aktuell ein Auto mit Verbrennungsmotor fahren, zu erwarten, dass sie auf Elektroautos umsteigen. Dafür sind Elektroautos oft viel zu teuer, und Gebrauchtwagen aus der E-Auto-Sparte gibt es einfach noch viel zu wenig (zumal eine gebrauchte E-Auto-Batterie auch nurnoch eine verminderte Leistung hat). Kritik an einer Politik, die das vorschlägt, ist also vollkommen berechtigt! Und auch, dass alle Menschen nur noch Bio kaufen sollen, ist in unserer aktuellen Realität mit den aktuellen Preisen unvorstellbar.
Das könntest du sagen:
Aber das will Grüne Politik ja auch gar nicht: sie wollen Subventionen für Elektroautos und eine verstärkte Bio-Landwirtschaft, eben weil die Preise dafür momentan zu hoch sind, als dass eine Mehrheit sie nutzen bzw. kaufen könnte.
Und wie du selbst sagst, ist Klimaschutz sehr wichtig! Aber um ihn sozial verträglicher zu machen, brauchen wir Parteien in der Regierung, die sich dafür auch tatsächlich einsetzen und nicht mit dem Finger auf die teuren Öko-Waren zeigen! Die Preise für E-Autos und Bio-Einkäufe und sonstige Maßnahmen, die das Klima schützen, müssen weiter runter, da hast du vollkommen recht. Aber genau das ist ein Grund dafür, die entsprechenden Parteien zu wählen, die diese Veränderungen subventionieren und damit auch für uns Verbraucher*innen günstiger machen wollen.
Auch grüne Energie, bspw. Aus Solar- oder Windkraft, wird immer günstiger, je mehr es von ihr gibt! Denn wenn wir mehr Windenergie in unsere Netze einspeisen, also das Angebot vergrößern, können auch die Preise für den Strom sinken, eben weil es mehr von ihm gibt. Das funktioniert nach dem klassischen Angebot-Nachfrage-Prinzip.
Während des Gesprächs
5. Hört einander zu und lasst einander ausreden.
6. Verwende keine verletzende oder diskriminierende Sprache.
7. Sprich am besten in der Ich-Perspektive: Meiner Meinung nach / Ich finde / Ich bin der Ansicht, dass
8. Versuch, auf dein Gegenüber zuzugehen und Problematiken, die es anspricht, aufzugreifen.
9. Werde nicht persönlich. Bleib beim Thema und lass dich nicht aus der Fassung bringen, selbst, wenn die andere Person sich explizit gegen dich als Person und nicht deine Argumente richtet:
Du mit deinem bescheuerten schicki-micki Elektrofahrrad und Mamis Geld, das deinen Bio-Einkauf finanziert, hast leicht reden!
Lass dich nicht auf diese Ebene der Argumentation herab.
Das könntest du sagen, um nicht angreifend zu werden:
Ich merke, dass dich das Thema emotional aufregt. Und das ist sogar gut so! Wut kann ein wichtiger Mechanismus sein, um Veränderung anzutreiben. Ja, ich habe ein gutes Elektrofahrrad und kaufe Bio-Lebensmittel ein. Das heißt aber doch noch lange nicht, dass das was Schlechtes ist!
Ich weiß, dass es ein Privileg ist, dass ich diesen Lebensstil finanzieren kann und es nicht selbstverständlich ist. Ich erwarte auch nicht, dass alle Menschen so leben wie ich. Aber es ist meine Art, etwas zum Klimaschutz beizutragen. Aber auch Dinge, die nix mit Geld zu tun haben, können das Klima schützen. Es ist doch egal, mit was für einem Fahrrad ich zur Schule komme – Hauptsache ist doch, dass ich damit keine unnötigen Treibhausgase in die Luft Blase.
Und zum Thema Einkauf: Ja, ich weiß, dass Bio-Lebensmittel meist die teurere Alternative sind. Aber es hilft dem Klima ja z.B. auch schon, bestimmte Lebensmittel weniger zu kaufen. Das gilt für Fleisch genauso wie für Avocados, oder Tomaten und Erdbeeren im Winter – ob nun Bio oder nicht. All diese Produkte weniger zu konsumieren, verringert den CO2-Ausstoß und den Wasserverbrauch. Und das Beste: diesen Verzicht kann sich jede*r leisten!
- Lässt sich in der Argumentation ein (wenn auch kleiner) Konsens erkennen? Gibt es einen Punkt, in dem ihr euch einig seid? Dann baut darauf auf!
- Gibt es Widersprüche in der Argumentation deines Gegenübers? Zeig diese auf!
- Spricht dein Gegenüber bspw. von “den Experten”, die den Klimawandel widerlegen, dann frag genauer nach: Welche Aspekte des Klimawandels widerlegen sie denn, wer sind diese Experten?
What aboutism
Verschiebt dein Gegenüber den Kern des Gesprächs und eure Diskussion fängt an, sich im Kreis zu drehen, dann komm wieder auf das eigentliche Thema zu sprechen.
Aber what about... (deutsch: was ist mit...) ist eine Ablenkungsstrategie. Dein Gegnüber weicht damit dem eigentlichen Thema aus. Sprich dein Gegenüber darauf an und komm auf den eigentlichen Kern eures Gesprächs zurück.
Warum sollten wir uns in Deutschland so für den Klimaschutz einschränken, wenn Länder wie die USA gerade erst aus sämtlichen Klimaschutzkonventionen ausgetreten sind? Und außerdem sind wir doch eh nicht die größten Treibhausgasemittenten, schau doch mal nach China!
Hier kannst du bei unserer Argumentationskarte “Klimaschutz in Deutschland bringt nix, wenn der Rest der Welt nicht mitmacht!” nachlesen, wie du dieses Argument am besten entkräftest.
2+2=4. Aber 1+3 auch!
Es gibt nicht immer nur eine Wahrheit. Je nach Betrachtungswinkel können mehrere Dinge zur gleichen Zeit wahr sein. Beispiel: Nur weil der Klimaschutz in Deutschland weniger weitreichend als z.B. in Dänemark ist, heißt es nicht, dass er nichts bringt. Und das heißt auch nicht, dass er sich nicht verändern kann.
Ende des Gesprächs
Nur weil ihr in der Diskussion gegeneinander gewettert habt, heißt das nicht, dass dein Gegenüber ein schlechter Mensch ist. Versucht deswegen, im Positiven auseinander zu gehen. Das hinterlässt bei beiden Seiten ein besseres Gefühl!

